Bondingpsychotherapie

Was ist Bondingpsychotherapie

Ein wesentlicher Ansatz der Bonding-Psychotherapie liegt in der Förderung und Weiterentwicklung der Bindungsfähigkeit, mit dem Ziel, Beziehungen auf nährende und gesunde Weise leben zu können und daraus Freude zu schöpfen. Die therapeutische Arbeit vermittelt Ermutigung und Erlaubnis Gefühle zu haben und auszudrücken und die Berechtigung, das eigene Leben und andere Menschen zu genießen.

Psychosoziale Grundbedürfnisse

Das Entstehen psychischer Störungen und innerer Konflikte wird in der Bondingpsychotherapie auf die häufige Frustration elementarer psychosozialer Grundbedürfnisse zurückgeführt. Die schmerzhafte Erfahrung einer nur ungenügend Halt gebenden und unterstützenden Umwelt führt zu verinnerlichten Glaubenssätzen sich selbst und der Welt gegenüber, wie zum Beispiel:

  • Ich bin nicht okay, bin wertlos.

(Da meine Bedürfnisse nicht gesehen/befriedigt       werden,    sind sie anscheinend nicht okay.)

  • Die Welt ist ein kalter unfreundlicher Ort, ich werde immer kämpfen müssen,
  • kann keinem trauen.
  • Ich muss für Liebe bezahlen/immer etwas leisten.
  • Für mich gibt es nichts.
  • usw.

Diese Glaubenssätze sind oft nicht oder nur teilweise bewusst, prägen und steuern aber das Verhalten und Erleben der Einzelnen. So entsteht im Alltag ein Teufelskreis aus Beziehungssehnsucht, gehemmtem oder dysfunktionalem Bedürfnisausdruck, daraus folgender Beziehungsenttäuschung und anschließender Beziehungsvermeidung.

Einen haltgebenden Rahmen schaffen, damit neue korrigierende Erfahrungen möglich werden.Um diese neuen Erfahrungen im Bewusstsein zu verankern, ist das zentrale Anliegen dieses prozess- und erlebnisorientierten Therapieansatzes, die Befriedigung der lebensnotwendigen und neurobiologisch verankerten psychosozialen Grundbedürfnisse.

Im Bonding-Prozess bedeutet das: In der Erfahrung von emotionaler Offenheit – bei gleichzeitiger körperlicher Nähe zu einem anderen Menschen – geht es um das Erleben von Angenommen- und Gehaltensein mit allem, was da ist. Zunächst tauchen dabei oft alte Verletzungen auf, die inner-halb der Bindungen zu Eltern, Geschwistern und anderen prägenden Personen entstanden sind.Die damit verbundenen körperlichen Blockierungen und Gefühle von z. B. Schmerz, Wut und Angst können ausgedrückt, durchgearbeitet und gelöst werden.

Zusammenwirken von Gefühlen, Kognitionen und Verhalten

Werden die Gefühle und die damit verbundenen dysfunktionalen Einstellungen durchgearbeitet und transformiert, schafft dies einen Boden, auf dem neue Verhaltensweisen ausprobiert und eingeübt werden, die dann zu nährender und befriedigender Beziehungsgestaltung führen. Neue gesunde Einstellungen sich selbst und dem Leben gegenüber geben grundlegende Erlaubnis und Berechtigung zu sein und Bedürfnisse zu haben. Einstellungen, die positive Beziehungserfahrungen ermöglichen, sind zum Beispiel:

  • Es ist gut, dass ich da bin.
  • Ich bin liebenswert.
  • Ich bezahle für Beziehungen keinen Preis.
  • Ich bin gut genug.
  • usw.

Die neuen Einstellungen werden im emotionalen Prozess erarbeitet und bedürfen einer kontinuierlichen Verankerung durch das Erproben entsprechender neuer Verhaltensweisen, zum Beispiel: sich zeigen mit Bedürfnissen und Schwierigkeiten, statt Rückzug und/oder Manipulation. Dazu bietet die therapeutische Gruppe ein ideales Übungsfeld

In diesem Sinne umfasst die Bonding-Psychotherapie sowohl die intensive Arbeit mit den Gefühlen bei haltgebendem Körperkontakt und den bewussten Umgang mit den Kognitionen (inneren Einstellungen), als auch das daraus resultierende entschiedene Steuern des Verhaltens.

Die Bonding-Psychotherapie ist ein psychotherapeutisches Konzept, das Dan Casriel, Psychiater und Analytiker, aufgrund eines Auftrags des Staates New York in den 60er-Jahren für die Arbeit mit Drogenabhängigen entwickelte und das sehr bald bei verschiedensten Störungen und Patientengruppen zur Anwendung kam. Das Verfahren wurde in den letzten Jahren von Dr. Konrad Stauss auf der Grundlage der Konsistenztheorie von Grawe, der Bindungstheorie, der modernen Hirnforschung und des Prozess-Erfahrungsansatzes von Greenberg (1984) und Elliot (1999) weiterentwickelt.